Denken in Klängen

 

  „Somit sitzt unser ‚Körpergefühl’ im Ohr: Verteilung von Spannungen im Körper, Verkrampfungen oder Schlaffheit, Muskeltonus, Haltung, Motorik und Feinmotorik werden durch das Ohr als Kontrollorgan kontrolliert. Man spricht von einem kybernetischen Regelkreis: Hirn (Befehl) - Muskel (Ausführung) - Ohr (Kontrolle) - Hirn (Korrektur des Befehls).“
Alfred A. Tomatis aus „Der Klang des Lebens“
   
 

Das wichtigste Sinnesorgan für einen Musiker ist das Ohr. Das Ziel dieses Buches ist es, die Aufmerksamkeit für das eigene Zuhören mehr in den Mittelpunkt des Übens zu stellen.

Durch die Routine „täglicher Übungen“ geraten wir in Gefahr, unsere Konzentration auf einen mechanischen Ablauf zu beschränken. Unser Lernen geschieht hauptsächlich über unsere Sinne: Sehen, Fühlen und Hören. Die komplexen körperlichen Vorgänge beim Spielen eines Musikinstrumentes können aber nur funktionieren, wenn das analytisch logische Denken der linken Gehirnhälfte mit dem emotionalen, bildlichen Denken der rechten Gehirnhälfte in Balance ist. Genau diese Balance wird durch unser musikalisches Vorstellungsvermögen gesteuert.

Jeder Ton, den wir spielen ist Ausdruck unserer individuellen Persönlichkeit und hat ein Eigenleben. Darin liegt die Faszination, die die Trompete ausstrahlt. Auch den sogenannten „Einblasübungen“ sollten wir die gleiche musikalische Aufmerksamkeit widmen wie dem Studium von Etüden und Konzerten. (Schließlich beginnt auch das Es-Dur Konzert von Joseph Haydn mit einer einfachen Tonleiterfigur.)

Die Zweistimmigkeit der vorliegenden Übungen „programmiert“ unsere Konzentration darauf, unser Denken auf das Wesentliche zu beschränken. Grundgedanke dabei ist immer die Vereinfachung, vorgegeben durch die 2. Stimme oder die Vorübungen und durch die Klangverschmelzung, in die wir „eintauchen“.

Lassen Sie sich also auf ein Denken in Klängen ein gemäß dem Motto, das Dale Clevenger, Solohornist des Chicago Symphony Orchesters, so treffend formulierte:

„Deine zwei besten Freunde sind Dein Ohr und Deine Luft!“